CASH

Als Callboy ist Samuel eine Jungfrau. Und Katharina hat
noch nie fr Sex bezahlt. Wenn die neue Freierin die Tr
ffnet, beginnt fr beide das zweite erste Mal. Vorhang
auf fr die doppelte Premiere.


Samuel klopfte. Die SMS an das Bro, mit dem Hinweis, er
sei nun anwesend und alles in Ordnung, keine Killer am Start
oder so, hatte er bereits zum Senden startklar. Als sie
die Tr ffnete, war er erleichtert.


Die Frau, die ihn ansah, als ob sie nicht erstaunt war, ausgerechnet
ihn zu sehen, ihn, den 34jhrigen Frischling, den Loser,
war hbsch. Beim nheren Hinsehen sogar schn. Braune
Augen mit einer Prise Bernstein. Dunkle, feste Haare.
Ein rhrendes Grbchen auf der rechten Wange, das sie mit
einem kleinen Lcheln entbltterte. Eine warme Hand,
die zu seiner pate, als sie sich begrten, mit Handschlag.
Er trat ein, und das Zwielicht der Kerzen beruhigte ihn
sofort. Er hatte nicht erwartet, da sie das Terrain vorbereitet
hatte. Wahrscheinlich wute sie, was sie tat. Kurz durchscho
ihn die Frage, warum eine so angenehme Frau einen wie ihn
bentigte. Oder ob sie vom Bro angeheuert war, um ihn einzuweisen?
Fast hoffte er es. Sein Puls beruhigte sich. Ja, das wrde
es sein. Sie wrde ihn an die Hand nehmen, bestimmt.


Er zog seine Lederjacke aus und hngte sie ber die Lehne
des Rokokostuhls, drckte whrenddessen heimlich an
seinem Handy auf Senden, nahm dankbar das Champagnerglas
und roch in alter Gewohnheit daran.


Katharina beobachtete den Fremden. Sie mochte, wie er
roch und da seine Hand warm und trocken war. Er schien zu
wissen, was er mit seinen Hnden macht. Ob Samuel sein richtiger
Name war? Seine Augen waren das Beste an ihm. Als ob er den
ganzen Himmel in sich trug. Wimpern, fr die andere tten
wrden. Aus seinem weien Hemd lugten am Halsansatz Hrchen
hervor und ein kleines silbernes Kreuz. Es pate zu ihm.
Sie stie mit ihm an.


"Ich heie Katharina." In das Echo des Klirrens
ergnzte sie: "Und ich bin vllig normal gepolt.
Keine Gewalt, kein Beschimpfen, keine Toys. Das Geld liegt
da drben. Ich will nichts Besonderes. Eigentlich nur
Liebe."


Die Stille nach dem unerlaubten Wort war nicht unangenehm.
Er lchelte, und es ging eine kleine Sonne in seinem Gesicht
auf. Katharina sprte, wie sie errtete. Sie hatte nicht
nachgedacht, nur geredet. Es fhlte sich seltsam an, ber
das zu reden, was sie wollte. Als ob sie das erste Mal berhaupt
den Mund aufmachte, um ber ihre Wnsche zu reden und nicht
um zu fragen, wie ers denn gern htte. So, wie sie es sonst
gehalten hatte. "Ich meine nicht wirklich Liebe,
ich meine weit du, was ich meine?"


Er hatte keine Ahnung. Und nickte. Er trank sein Glas aus
und stand auf. Liebe. Gut. Er wrde einfach so tun, als ob
er sie liebe. Und wenn es nur fr diese Nacht war, es sollte
sich wie fr immer anfhlen. Sie war eine gute Einweiserin.
Das Bro war doch nicht so geschftskhl, wie er befrchtet
hatte. Er streckte ihr die Hand entgegen und zog sie an sich,
um mit ihr zu tanzen. Er wollte sich an ihren Krper gewhnen.
An ihren Duft, ihre Bewegungen. Er stellte sich vor, da
er ihr gerade einen Heiratsantrag gemacht und sie ja gesagt
htte. Eine Zeit voller Liebe wrde vor ihnen liegen. Sie
wrden ein Haus auf dem Land haben und Kinder. Und niemals
im Schlafzimmer streiten.


Katharina sprte, wie die Spannung nachlie. Sie mochte
die Nhe zu seinem Krper. Verdammt, die Jungs hatten echt
Ahnung. Tanzen war doch so einfach, um die erste Verlegenheit
zu berbrcken. Sie sprte seine Hand an ihrem unteren
Rcken, die andere, als er ihre Finger zu der Stelle ber
seinem Herzen legte. Es war schn, so zu tanzen. Sein Gesicht
glitt an ihrem Haar entlang. Als er einatmete, bergo
sich ihr Nacken mit einer Gnsehaut, die auch an ihrem Bein
hinunterraste. Sie hatte pltzlich Lust, sich von ihm
kssen zu lassen. Seine Lippen berhrten ihre Wange, ihr
Kinn. Als sie die Augen ffnete, hoben sich im selben Moment
seine Lider. Sie sahen sich in die Augen, bevor er sie kte.


Sie hatte vergessen, da es auf diesen Moment ankam. Wie
er kte, so liebte er. Und eigentlich wollte sie diesen
Zeitpunkt genau kontrollieren. Das war das Gtemerkmal.
Dummerweise hatte sie es restlos vergessen. Als er innehielt,
um sie sich nach dem Ku anzusehen, fiel es ihr wieder ein.
Wenn er so vgelte, wie er kte, wrde sie ihn nie vergessen.
Er hatte sie mit Liebe gekt. Liebe, die dann von Lust eingeholt
wurde. Er hatte wirklich sie und ihre Lippen gemeint und
nicht nur Kssen simuliert, wie es andere getan hatten.
Und nur einmal hatte die Spitze seiner Zunge die Innenseite
ihrer Oberlippe gestreift, ganz zart.


Samuel hatte das Gefhl, zum ersten Mal in seinem Leben
wirklich gekt zu haben. Wie sie ihm entgegenkam. Wie
ihre Lippen sich seinen anglichen, wie lebendig sie waren.
Einem Impuls folgend, nahm er sie mit einem Schwung auf
die Arme und trug sie, wie ein Mann seine Braut tragen wrde,
zum Bett, legte sie behutsam ab, und hielt sie immer noch
so in den Armen, als sie sich weiterkten.


Nach Stunden, nach einer Ewigkeit, begann Katharina zu
wispern. Sie fhlte sich so sicher bei ihm, da sie ihm sagen
wollte, mute, konnte, was sie wollte."Zieh mich
aus, bitte."
Und er tat es. Je ein Stck von ihr, je ein Stck von ihm. Sie
mute nichts tun, nur zwischendurch kssen, dringend
und sich nach Hautkontakt sehnen. Er zog sie aus, bis auf
ihre Stockings. Mit jedem Strich ber ihre Haut, berall,
fhlte sie sich schn. Endlich hatte sie mal Zeit. Endlich
wurde ihr mal die Zeit gelassen, die sie brauchte. Keine
Hektik, da sie sich beeilen mute, auf Touren zu kommen,
bevor die Sache bei ihm schon wieder vorbei war. Sie durfte
genieen. Er berhrte sie so, wie sie sich selbst berhrte,
wenn sie mit sich allein war. Als ob er von keiner Stelle
genug bekommen knnte.


Samuel wunderte sich ber sich selbst. Frher hatte er
zugesehen, da er hart wurde und einer Frau damit zu Leibe
rckte. Das mute er jetzt aber nicht. Katharina war eine
einzige sensible Zone. Er geno es zu sehen, wie sie reagierte.
Als ob sie ihm mit jeder Regung antwortete. Ihr kleines
Lustzittern, wenn er ihren Hals liebkoste. Das Heben ihrer
Hfte, wenn er mit beiden Hnden links und rechts an ihren
Innenschenkeln entlangfuhr. Ihre Hnde, die nach ihm
griffen, um ihn nher zu ziehen, als er mit seinem Mund ihre
weichen Schamlippen behauchte.


Ganz vorsichtig geht er mit ihr um, ffnet sie und will nichts
mehr, als sie zu verfhren. Er will ihr dienlich sein. Nicht
mehr, weil es sein Job ist - der Handschuh pat ihm ja nicht
einmal -, sondern weil sie sie ist. So riecht. Sich so bewegt.
Weil sie etwas in ihm zum Flieen gebracht hat.


Als er sich neben sie legte und sie ansah, seine Hand zwischen
ihren Beinen, fragte er sie leise: "Ist es hier richtig?"
Er hatte nie zuvor gefragt. "Ein bichen hher",
flsterte sie. "Mach es so, als ob du Kreise malst..."
Kreise. Er lchelte. So einfach, wenn es gesagt wurde.


Er malte kleine Kreise auf ihrer Perle, kte ihren Mund,
ihre Zungen berhrten sich. Er registrierte in jeder Sekunde,
was ihr Krper tat. Jetzt spannte sie ihn an und er ahnte,
er hatte den Punkt gefunden. Er durfte nicht aufhren,
er dachte an den Rat seines Kollegen Riko: "Alles
eine Frage der Organisation und Zuverlssigkeit. Frauen
lieben Kontinuitt, auch im Bett. Hast du die Stelle aller
Stellen gefunden, mach weiter. Bis sie kommt. Keine Abwechslung,
sonst werden sie zu Furien, wenn du pltzlich die Leckrichtung
oder das Stotempo wechselst, wo sie doch gerade kurz davor
ist. Merke: Such so lange und so gut du kannst nach dem magischen
Punkt. Und wenn du ihn hast, la ihn nicht mehr los",
hatte er Samuel erklrt, whrend er in der Kleiderkammer
des Bros nach einem Smoking fahndete. Weg mit dir, Mann,
ich hr ja nicht auf, dachte er und polierte weiter, auch
wenn ihm danach war, in sie zu gleiten. Sie drckte die Fersen
in die Laken, streckte die Beine. Ihr Venushgel wurde
fester, enger. Ihre Ksse atemloser, sie hatte die Augen
geschlossen. Sein Schwanz drckte sich an ihre Hfte,
wie er so neben ihr lag. Sie kam in seiner Hand. Und ffnete
die Augen, sah ihn an.


Samuel hatte das Gefhl, ein Geschenk zu bekommen. Katharina
lie sich von ihm halten. Er war ganz bei ihr, immer noch.
"Ich will mit dir schlafen", sagte sie. Und
lauschte den eigenen Worten nach. Das hatte sie noch nie
zu einem Mann gesagt, meist war es in tonloser Stille geschehen
oder mit einem Schwall obszner Worte.


Der einfache Satz lie seinen Penis zucken. Er war gemeint,
ja, er, Samuel. Sie wollte nicht gefickt werden, sie wollte
mit ihm schlafen! Er griff auf das Schrnkchen, auf das
sie Kondome gelegt hatte. Es war verdammt lang her, da
er so ein Teil in der Hand hatte, er war seiner Verlobten
treu gewesen, aber es war wie frher: aufreien, drber
rollen. Es ging ganz leicht. Er fhlte sich sicher. Er legte
sich zwischen ihre Beine, sah sie an, kte sie. Drngte
sich nicht gleich in sie, sondern umfate seinen Schaft
an der Wurzel und lie seine Spitze zwischen ihren Rosenblttern
auf und ab gleiten. Er wollte den Moment davor auskosten.
Der kleine Moment davor, der ihm nicht lang genug dauern
konnte - mit ihr. Wie sie ihn ansah. Wie diese Flmmchen
in ihren Augen tanzten, auch wenn er wute,
es war der Widerschein der Kerzen. Ihre dunkelbraunen
Brustwarzen. Ihr kleiner weicher Bauch. Alles war rund
an ihr, alles, und es schmiegte sich alles so warm in seine
Hnde.


Jetzt umschlang sie ihn. "Komm", sagte sie,
"bitte." Er glitt hinein. Sie war so warm. Ihre
Sunny war gleichzeitig fest und doch so weich. Was machte
sie mit ihren kleinen Muskeln? Als ob sie ihn tief in sich
kte, festhielt. Er sah an sich hinab. Wie er sich in ihr
bewegte.


"La mich dich lieben", raunte er und fragte
sich, ob er wirklich gesprochen hatte, mit dieser Stimme.
Und dann liebte er sie. Begann, zwischen ihren Beinen hin
und her zu rutschen, nur ein bichen, um sie mit seinen Bauchmuskeln
dort zu erreichen, wo vorhin seine Hand lag. Er hatte den
Punkt einmal gefunden, er wollte ihn ein zweites Mal finden.
Diesmal schrie sie, als sie kam. Und weinte. In ihr Weinen
hinein steigerte er sein Tempo und lie los. Auf dem Gipfel
keuchte er ihren Namen. Katharina. Er wrde ihn nie vergessen.


Als er nackt zum Tisch ging und mit den beiden nachgefllten
Glsern zurckkam, lchelte sie. Ihr Grbchen lachte
ihn an. "Da bin ich ja beim ersten Mal gleich an einen
Profi geraten", sagte sie. Samuel sah sie an. Es dauerte
etwas, bis er begriff, da er sich getuscht hatte.


"Ich habe das zum ersten Mal gemacht", gab er
zu.Katharina betrachtete den Mann. Der, der ihr eben noch
so nah war, da sich ihre Seelen zu berhren schienen, in
Liebe. Das schien nicht sonderlich zu klappen, das Nicht-Verlieben.
Mist. Sie nahm sein Gesicht in beide Hnde. "Zumindest
hat es mit der Universumsauslieferung diesmal geklappt",
murmelte sie. Samuel wute nicht, was er davon halten sollte.
Aber er wute, da er liebte. Und da es egal war, ob Liebe
fr immer oder nur eine Nacht dauerte. Die Frage war nur,
ob Liebe in seinem Geschft berhaupt eine Rolle spielen
durfte. Oder ob er nicht doch lieber Taxi fahren sollte.
Gleich ab morgen.

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